Chronik des Vereins

Wirtschaftliche Überlegungen waren wohl das entscheidende Motiv, Kleingärtner bzw. Schrebergärtner zu werden. In der so genannten „guten alten Zeit“ ging es den Leuten zum einen darum, mit eigenen kleingärtnerischen Erzeugnissen die Speisekarte zu beleben. Und zum anderen darum, zur Erholung einen Platz im Grünen zu haben – in Urlaub gehen wie heute, gab es im Kaiserreich noch lange nicht.

1913 beschloss daher eine Gruppe nicht organisierter Feierabendgärtner aus der Idsteiner Straße, sich zu einem Verein zusammen zu schließen. Es gelang ihrem Sprecher und späterem 1. Vorsitzenden Josef Brendel, ein großes Gelände zwischen Griesheim und Gutleuthof von der Stadt zur kleingärtnerischen Nutzung vorläufig zu pachten.

Am 17.10.1913 wurde der Verein durch das königliche Amtsgericht in das Vereinsregister eingetragen, nachdem am 28.06.1913 die Gründungsversammlung mit immerhin 250 Personen stattgefunden hatte. Ein Vorstand mit drei Personen leitete den neu entstandenen Verein, der sich „Kleingartenbauverein Westend“ nannte.

Die meisten Kleingärtner hatten sich wohl gerade aus Kistenbrettern – das war damals das Hauptmaterial – eine kleine Gartenlaube zurecht gezimmert, da zogen mächtige Gewitterwolken am politischen Horizont auf, die sich dann in dem Beginn des 1. Weltkrieges entluden. Es begann die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.

Durch die Not während und nach dem 1. Weltkrieg stieg die Nachfrage nach Kleingärten rapide an. Es gelang dem Vorstand, weiteres Gelände anzupachten, so dass nach dem 1. Weltkrieg 800 und im Jahr 1919 1.200 Kleingärtnerinnen und Kleingärtner eine Parzelle bewirtschaften konnten – der höchste Stand in der Geschichte des Vereins.

In den 20-er Jahren fanden in den westlichen Teilen Frankfurts umfangreiche öffentliche Baumaßnahmen (z.B. Flughafenausbau am Rebstock) statt, so dass der Verein hier weichen musste und an anderer Stelle Ersatzgelände zugewiesen bekam. Da nicht immer adäquates Ersatzgelände gestellt werden konnte, verringerte sich die Mitgliederzahl beträchtlich. In diesem Zeitraum erschütterten finanzielle Unstimmigkeiten den Verein. Das führte dazu, dass sich etwa 300 Gartenfreunde abspalteten und am 15.11.1925 den KGV Ackermann gründeten.

Der „Sprung über den Main“ erfolgte Ende der 20-er Jahre – zunächst zögerlich; heute haben wir hier ca. 140 Gärten. Einen weiteren großen Aderlass musste der Verein durch den Bau der Reichsautobahn, der heutigen A5, hinnehmen, so dass die Mitgliederzahl zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1938 auf 450 Personen geschrumpft war – der tiefste Stand in der Vereinsgeschichte. Damals wurden die ersten Fertiglauben aufgestellt. Würfelförmige Hütten mit einer Grundfläche von 10 qm. Dies ist für heutige Verhältnisse in dieser Größe nicht mehr akzeptabel. Heute sind 24 qm Grundfläche erlaubt.

Mit 1939 verbinden wir den Beginn des 2. Weltkrieges. Wie schon 25 Jahre zuvor war es von nun an wieder den Frauen vorbehalten, die Gartenarbeit und damit auch die Ernährung ihrer Familien zu übernehmen, da die männlichen Vereinsmitglieder dem Einberufungsbefehl zum „Dienst am Vaterland“, wie es so schön hieß, folgen mussten. Im Zuge der 37 Luftangriffe auf Frankfurt, die 4.822 Todesopfer zur Folge hatten, blieb natürlich das Gelände unseres Vereins nicht verschont. Am 22.02.1944 wurde das Vereinsregister zerstört. Große Einbußen von Gartenerzeugnissen durch Diebstähle der hungernden Bevölkerung mussten jetzt hingenommen werden. Jeder sehnte ein Ende des Krieges herbei.

Die Währungsreform von 1948 brachte es sich mit sind, dass der Verein wieder von vorne anfangen musste. Erste eine Sonderzahlung vom DM 8,00 pro Mitglied – damals sicherlich viel Geld, heute könnte man darüber schmunzeln – ermöglichte dem Verein das Weiterleben.

Die Vereinssatzung wurde 1949 neu gefasst und den neuen politischen Verhältnissen angepasst. 1953 beim 40-jährigen Jubiläum zählte der Verein 470 Mitglieder. 18 Gründungsmitglieder gehörten noch der Gemeinschaft an. In den nun folgenden Jahren konnten die Gemeinschaftseinrichtungen in den einzelnen Anlagen wesentlich verbessert werden, z.B. der Verkauf von Düngemittel wurde von den damals noch nicht so gut motorisierten Gartenfreunden gerne in Anspruch genommen. Heute ist niemand mehr darauf angewiesen; fast jeder kann sich seinen Bedarf überall selbst decken. Am 07.09.1963 beging der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Leider nur noch 8 Mitglieder aus der Gründerzeit konnten für ihre treue Mitgliedschaft geehrt werden.

Ab 1966 begann für den Verein für mehr als 10 Jahre wiederum eine sehr unruhige Zeit. Der große Bauboom der Stadt und anderer öffentlichen Stellen begann jetzt auch auf unserem Vereinsgelände. Neue Straßen, Gleisanlagen der Bahn und sonstige Baumaßnahmen brachten es mit sich, dass der Vorstand von einer Besprechung und Ortsbesichtigung in die andere gehetzt wurde. Das Begehren der Stadt nach unserem Gelände ging so weit, dass der Bestand der Anlage I und I a in Frage gestellt war – eine existentielle Frage für den Gesamtverein! Nach sehr harten Auseinandersetzungen mit den Verantwortlichen gelang es schließlich den Bebauungsplan SW 23 d 1 zu unseren Gunsten abzuändern. Es war ein schwerer und steiniger Weg.

Der KGV Westend begründete 1984 ein partnerschaftliches Verhältnis mit der Kleingartenkolonie Westend e.V. Berlin und 1991 eine weitere Partnerschaft zu dem Kleingärtnerverein Westend-Gärten e.V. 1912 in Leipzig.

Aber auch danach gab es mannigfaltige Pläne und Absichten, unser Kleingartengelände für öffentliche Baumaßnahmen zu nutzen. Ich erinnere hier nur an das Allen noch im Gedächtnis haftende Ereignis: Die Machbarkeitstudie des Prof. Jordan zur Olympia-Bewerbung der Stadt Frankfurt am Main, was zur endgültigen Vernichtung vieler Kleingärten mit all den wachsenden Strukturen geführt hätte. Wir hoffen sehr, dass es uns auch in Zukunft gelingen wird, für engagierte Kleingärtner bzw. Kleingärtnerinnen in ausreichendem Maße Parzellen zur Verfügung stellen zu können. Hierzu sind wir natürlich in besonderem Maße auf die Unterstützung und Zusammenarbeit der Stadt Frankfurt am Main angewiesen.

1993 Erschließung von freiem Gelände zur Erweiterung der Anlage 1 A an der Gutleutstraße.

18.09.1993 Außerordentliche Mitgliederhauptversammlung. Auf dieser wird die neue Satzung des Vereins beschlossen.

In diesem Jahr begeht auch der Verein sein 80 jähriges Jubiläum mit eine akademischen Feier im Vereinshaus der Anlage 1.

22.01.1994 Nach sechsjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als 1. Vorsitzender des Vereins, kandidiert Karlheinz Seipp nicht mehr für dieses Amt. Als neuer Vorstand werden gewählt
1. Vorsitzender Günter Benzkirch
2. Vorsitzende Fritz Bahl
1. Kassiererin Regine Bevc
2. Kassierer Hans Glasze
1. Schriftführer Peter Borz
2. Schriftführerin und Protokollführerin Iris Junker 11.06.1994.

Im Rahmen der 1200 Jahrfeier der Stadt Frankfurt beteiligt sich der KGV Westend mit einer Bierinsel bei dem Stadtteilfest Gallus.

24.06.1994 Einweihung und Richtfest des neuen Anlagenteils mit acht Gärten in der Anlage 1a.

05.08.1994 – 07.08.1994 Besuch bei unserem Partnerverein Westendgärten in Leipzig. Dabei wurde ein Scheck über 1200,- DM , Spende aller Mitglieder des KGV Westend dem Förderverein „Deutsches Museum der Kleingartenbewegung“ überreicht.

30.01.1995 Hochwasser in der Anlage 1a. Der ufernahe Bereich des Main wurde überflutet Das Mainhochwasser verursachte enorme Schäden sowohl in der ganzen Anlage wie auch an dem Vereinshaus. Von allen Anlagenwegen mußte der Schlick abgetragen und eine neue Kiesschicht aufgebracht werden.

11.05.1995 Die Anlage 5 erhält ein neues Vereinshause; für die integrierte Toilettenanlage wird eine Ohms-Grube installiert.

23.07.1995 Besuch einer kleinen Gruppe unseres Partnervereins „Westendgärten“ aus Leipzig unter der Leitung des 1.Vorsitzenden Wolfgang Glatzel. 1995 Das komplette Dach des Vereinshauses der Anlage 1 wurde erneuert und neue Regenrinnen angebracht.

September 1995 Fahrt einiger Gartenfreunde zur Bundesgartenschau nach Cottbus mit Stationen in Dresden und Gera.

30.08.1996 – 01.09.1996 Herbstfahrt einer kleinen Gruppe des KGV Westend 1913 e.V. nach Leipzig zu unserem Partnerverein „Westengärten“. Die Fahrt führte auch nach Eisenach zur Wartburg, zum Schreber-Museum in Leipzig sowie nach Weimar in das ehemalige Lager Buchenwald. Zum Abschluß führte der Weg noch in die Fachwerkstadt Melsungen.

Aufbau des neuen, ca. 60 qm großen Vereinshauses in der Anlage 5.

25.01.1997 Auf der Jahreshauptversammlung im Bürgerhaus Griesheim stand unter anderem auch die Neuwahl des geschäftsführenden Vorstand an. Es gab einige personelle Veränderungen.
1.Vorsitzender Günter Benzkirch
2.Vorsitzender Fritz Bahl
1.Kassiererin Ulrike Scherer
2.Kassererin Anja Merscher
1.Schriftführer Peter Borz
2.Schriftführer und Protokoller Günther Faust

Eine besondere Ehrung wurde unserem Ehrenschatzmeister Sigfried Thate zu teil. Er wurde für 50jährige Mitgliedschaft im Kleingartenwesen ausgezeichnet.

04.10.1997 Einweihung des neuen Vereinshauses in der Anlage 5, Biegweg. Im Rahmen einer kleinen Feier übergibt der 1.Vorsitzende Günter Benzkirch, das Vereinshaus seiner Bestimmung 1998 Durch das Hochwasser des Main wurde wiederum die ganze Analge 1a stark betroffen. 25 Jahre Anlage 4 a/b, an der Schwanheimer Mainuferstraße. Bei einer Feier in der Anlage, wird dieses Jubiläum gewürdigt.

01.06.1999 Der Magistrat der Stadt Frankfurt gibt in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt und der Stadtgruppe Frankfurt der Kleingärtner die neue Gartenordnung heraus.

Anläßlich eines Gartenfestes der Anlage 1a wird der seit 20 Jahren bestehenden Selbständigkeit der Anlage gedacht. Wegen der Verlängerun der Gutleutstraße zur Autobahn wurde die Anlage 1geteilt. Die erste Anlagenversammlung der Anlage 1a, nach der Teilung, fand am 17.07.1979 statt.

21.08.1999- 75jähriges Jubiläum der Anlage 3. Im Rahmen eines Gartenfestes in der Anlage wird dieses Jubiläum gefeiert. Der Anlage werden eine neue Vereinsfahne und Tischwimpel überreicht.

März 2000 Wahlen des geschäftsführenden Vorstandes, keine Veränderung.

November 2001 Die Stadt Frankfurt a. M. bewirbt sich um die Ausrichtung der Olympiade 2012. Im Rahmen der Olympiaplanung ist von der Stadtgruppe Frankfurt der Kleingärtner am 30.10.2001 in der Feldscheidenstr. 2-4 ein Informationsabend zu diesem Thema veranstaltet worden. Betroffen von dieser Planung sind eine ganze Reihe von Kleingartenvereinen im Rebstockgelände, so auch die Anlage 3.

28.11.2001 Demonstrationsveranstaltung der Kleingartenvereine in Sachen Olympiaplanung im Bürgerhaus Griesheim, Schwarzerlenweg. Veranstalter ist die Stadtgruppe Frankfurt. Geladen sind Vertreter der betroffenen Vereine, alle Kleingartenfreunde und die zuständigen Planer des Magistrats der Stadt Frankfurt.

01.01.2002 Die seit 1948 bestehende DM als Währung wurde durch den Euro am 1.1.2002 und in 12 Ländern Europas als neue Währung eingeführt.

14.06.2002 - 15.06.2002 Eine Delegation des Vereins war zu Besuch bei den Feierlichkeiten zur 90 Jahr Feier des Partnervereins Westendgärten Leipzig.

1.1.2003 erneutes Hochwasser in der Anlage 1 A 07.03.2003 An der Mitgliederversammlung des Vereins wurde der bisherige Vorstand für eine weitere Amtszeit wieder gewählt.

05.03.2003 In der Nacht vom 05.03.2003 zum 06.03.2003 sind in der Anlage 1 im Bereich des Obmannsbüros von Unbekannten zwei alte Kastanien angesägt worden. Das Umweltamt hat nach Begutachtung der Kastanien entschieden, dass diese entfernt werden müssen, weil die Standsicherheit gefährdet war. Dem Verein sind durch diesen Frevel erhebliche Kosten entstanden. Vom Umweltamt wurden zwei Bäume (Kanadischer Mehlbeerbaum) zur Neupflanzung kostenlos zur Verfügung gestellt,

12.04.2003 Bei der nationalen Entscheidung, welche deutsche Stadt sich zur Ausrichtung der Olympiade 2012 international zu dem Kreis der Bewerber zählen kann, ist Leipzig nominiert worden.

27.09.2003 90-jähriges Gründungsjubiläum des KGV Westend e. V. 1913. Bei einer akademischen Feier im Vereinshaus der Anlage 1 ist das Jubiläum würdig gefeiert worden. Unter den zahlreich geladenen Mitgliedern und Ehrengästen konnte der Vorstand auch Vertreter aus der Kommunalpolitik der Stadt Frankfurt, den Vertreter der Stadtgruppe Frankfurt der Kleingärtner, des Landesverbandes Hessen der Kleingärtner, des Liegenschaftsamtes, des Grünflächenamtes und viele Vereinsvorsitzende benachbarter Kleingartenvereine begrüßen.

27.04.2005 Die vorhandenen Stromverteilerkästen in der Anlage 1a sind um 80 cm höher gesetzt worden. Durch mehrfach stattgefundene Überschwemmungen war dies notwendig, damit weitere Schädigung vermieden werden.

23.07.2005 In der Anlage 4 a – b ist das Setzen von Gartenbrunnen erforderlich geworden, da die bestehende Brauchwasserversorgung durch Hessenwasser gekündigt wurde. Die Brunnen wurden noch im gleichen Jahr gesetzt.

27.01.2006 Auf der Mitgliederhauptversammlung wurde der geschäftsführende Vorstand neu gewählt: 1.Vorsitzender Günter Benzkirch
2.Vorsitzender Fritz Bahl
1.Kassiererin Ulricke Scherer
2.Kassierer Volker Heise
1.Schriftführer Günther Faust
2.Schriftführer Peter Borz

Zu Ehrenmitgliedern sind U. Scherer, G. Faust, J. Peter Obmann in der Anlage 1 und P. Borz ernannt worden, als Anerkennung für die ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand des Vereins.

11.03.2006 Nach vielen Bemühungen der zuständigen Ämter und der Einflussnahme des Stadtverordneten, Herrn Bürger, ist es gelungen, den Zufahrtsweg zur Anlage 1 (Griesheimer Fußweg o. Nr.) mit einer Asphaltdecke zu versehen. Die Brauchwasserversorgung des DB AG in der Anlage 1 wird mit Wirkung zum

31.12.2006 eingestellt. Davon sind einige Gärten betroffen. 06.10.2007 Außerordentliche MHV im Bürgerhaus Gallus. Beratung und Verabschiedung der überarbeiteten Satzung. Das Geschäftszimmer in der Anlage 1 ist renoviert und vergrößert worden. Das Archiv ist jetzt durch das Geschäftszimmer zugänglich.

28.02.2008 Nach schwerer Krankheit ist der 2. Vorsitzende, Fritz Bahl, verstorben. Er war seit 1980 aktives Mitglied im KGV Westend e.V. 1913. Von 1986 bis Januar 1994 war Fritz Bahl Obmann in der Anlage 4 c/d und danach 2. Vorsitzender des Vereins. Als Fachwart mit erweiterten Fortbildungen leitete er auch die Wertermittlungen innerhalb des Vereins. Fritz Bahl wurden mehrere Auszeichnungen zu Teil. So die Vereinsnadel in Silber und Gold, die Verbandsnadel für über 10 Jahre Vorstandstätigkeit und die Solbernadel für 25 Jahre Mitgliedschaft.

Am 18.02.2008 wurde ihm der Ehrenbrief des Landes Hessen verliehen und übereicht am 21.02.2008 durch Stadtrat Hans-Dieter Bürger. Der Landesverband Hessen der Kleingärtner verlieh Fritz Bahl die Verbandsnadel in Gold nebst der Urkunde in Anerkennung der Verdienste um den Verein.

27.11.2008 Auf einer außerordentlichen Anlagenversammlung der Anlage 1a stimmten die Mitglieder der Anlage darüber ab, ob der Kostenvoranschlag zur Dacherneuerung des VFH angenommen werden soll. Dieser Kostenvorschlag ist mehrheitlich angenommen worden. Auch wenn die Mitglieder der Anlage eine einmalige finanzielle Leistung erbringen. Die Sanierung des Daches ist dringend erforderlich, weil es an verschiedenen Stellen undicht ist.

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